Odyssee eines Zeitschriftenaufsatzes

Wie finde ich den Text eines wissenschaftlichen Aufsatzes?

Mein Professor hat mir einen Artikel für meine Hausarbeit empfohlen.  
Wie komme ich jetzt an den Text ran, den ich lesen soll? 

Alex 

Bildnachweis: pixel2013 on pixabay

Lieber Alex, 

Im Idealfall gibt Ihnen Ihr Professor einen Link zu einem Volltext des Artikels oder drückt ihn Ihnen als Blatt Papier in die Hand. 
Doch das wahre Leben eines Studenten ist keine Kreuzfahrt auf dem Traumschiff. 

Stattdessen ruft Ihnen Ihr Professor am Ende der Besprechung nur zu: “Zu Visual Analytics bei Autorennamen gab es letztes Jahr einen Artikel in IEEE.”  
Und raus ist er aus der Tür. 

Wie gehen Sie nun am besten vor?  
Gehen Sie mit mir auf die (nicht ganz wahre) Odyssee meiner Artikelsuche: 

  1. Google fragen 
    Die erste Anlaufstelle wird für rund 99% der Leser Google oder Google Scholar sein.  
    Auf dem Weg nach Hause suche ich gleich auf dem Smartphone. 
    Hier finde ich einige vielversprechende Treffer.  
    Doch auf die Artikel, die ich auf die Schnelle gefunden habe, kann ich einfach nicht zugreifen.  
    Ich soll ein Passwort eingeben oder die Artikel direkt bezahlen. Das Passwort weiß ich nicht und bezahlen würde ich nur im Notfall, wenn ich mir ganz sicher bin, dass es der richtige Artikel ist.  
    Hätte er mir den Artikel nicht einfach geben können?  
  2. Lücken füllen 
    Zurück am Schreibtisch zu Hause möchte ich den richtigen Artikel finden. 
    Ich brauche unbedingt mehr Informationen, z.B. den genauen Titel des Artikels oder den Autor.  
    Dazu gehe ich auf die Website von IEEE. 
    Tja, es gibt nicht nur eine Zeitschrift der Organisation. 
    In der Digital Library kann man nach Artikeln suchen. 
    Ich gebe die englischen Stichwörter visual analytics author ein. 
    Nun bin ich mir auch ziemlich sicher mit dem Titel: “NameClarifier: A Visual Analytics System for Author Name Disambiguation”. 
    Der Artikel wurde 2017 in IEEE Transactions on Visualization and Computer Graphics veröffentlicht. Den muss mein Professor gemeint haben. 
  3. Infos picken 
    Zum Glück blinkt auf der Website gleich das Citavi Picker-Icon auf.  
    Mit einem Klick landen so alle wichtigen Informationen in meiner Literaturverwaltung Citavi, die ich für das Zitieren in meiner Arbeit brauche. 
  4. Volltext beschaffen 
    Doch in der Vorschau in Citavi sehe ich kein PDF-Dokument. 
    Ich kann den Artikel noch immer nicht lesen.  
    Das wird sich hoffentlich durch einen Klick auf “Volltexte finden” in Citavi ändern.  
    Wichtig: Dazu muss VPN aktiviert sein.
    Aber ich erleide Schiffbruch: “Es wurde kein Volltext gefunden”.  
  5. Meine Bibliothek prüfen 
    Aber so schnell gebe ich nicht auf. Könnte es sein, dass meine Bibliothek die “richtige” Zeitschrift, sprich gedruckt, besitzt?  
    Dazu suche ich in deren Katalog (OPAC) nach dem Namen der Zeitschrift. 
    In Bibliothekskatalogen lässt sich in der Regel nur der Name einer Zeitschrift recherchieren, nicht aber die einzelnen, enthaltenen Artikel.
    Die gesuchte Zeitschrift finde ich aber nicht.
    Ich brauche einen Rettungsring. 
  6. Den Kreis erweitern 
    Ich darf nicht nur auf meine Uni-Bibliothek fixiert sein.  
    Als Student erhält man in den meisten überregionalen und Landesbibliotheken gegen geringe Gebühren oder kostenlos einen Benutzerausweis.  
    Das öffnet die Tür zu vielen weiteren Zeitschriften, Büchern, etc.
    Doch welche Bibliothek in meiner Nähe ist die richtige?  
    Dazu suche ich in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) nach dem Namen meiner Zeitschrift. (Für Bücher steht dafür in Citavi die Standortsuche bereit!)
    In der Trefferliste prüfe ich, aus welchem Jahr meine gesuchte Zeitschrift ist:


    Der Strich nach einer Jahreszahl bedeutet, dass die Zeitschrift bis heute im Bestand der Bibliothek ist.
    Hier werden sowohl gedruckte als auch elektronische Zeitschriften gelistet.
    Ich entscheide mich für den dritten Treffer, da dies die Online-Zeitschrift ist.
  7. Hamburg* bereisen
    * Ersetzen durch die Stadt, die für Sie nächstgelegen ist. 
    Ich sehe, in welcher Bibliothek die Zeitschrift vorhanden ist. 
    Und jetzt?  
    1. Reise ich nach Hamburg. Erstelle in der Bibliothek einen Benutzerausweis.  
      Lade gleich auf einem PC in der Bibliothek den Artikel herunter. 
      Informiere mich darüber, wie ich von Zuhause aus auf die Online-Zeitschriften der Bibliothek zugreifen kann. 
      Gehe mit meiner Freundin in Hamburg Kaffee trinken, die sich sehr über meinen Besuch freut. 
      Und fahre glücklich wieder nach Hause!

      ODER:
    2. Sodass ich den Weg nicht auf mich nehmen muss, gibt es die Fernleihe! 
      Dazu klicke ich in der ZDB links oben auf “Bestellung”. Wie es dann weiter geht, zeigt dieses Video am Beispiel der TU Berlin (ab Minute 2:15). 
      Bei Fragen hilft Ihre Hochschul-Bibliothek gerne weiter.

Endlich am Ziel! 

So schlimm wie hier beschrieben wird es in den meisten Fällen bei der Suche nach einem Volltext eines Zeitschriftenartikels nicht laufen. 
 
In der Regel helfen Ihnen Suchmaschinen und lizenzierte Fachzeitschriften Ihrer Bibliothek schnell dabei, den "richtigen" Text zu bekommen (Schritt 1). 
 

Welche Horror-Story mussten Sie auf der Suche nach einem wichtigen Artikel erleben? 
Wir freuen uns auf Ihre Berichte auf Facebook

 

Zur Vertiefung: 

ZBW: Guided Tour "Schreibe deine beste Hausarbeit": https://www.econbiz.de/eb/de/gw

 

Erstellt von: Jana Votteler – Veröffentlicht am: 03.07.2018
Tags: Recherche Aus dem Support


Über Jana Votteler

Jana Votteler interessiert sich für alles rund um die persönliche Wissensorganisation – wie man es von einer studierten Bibliothekarin erwarten würde. Dafür liest sie in Ihrer Freizeit ziemlich wenig. Sie liebt es aber, in den Schweizer Bergen zu wandern – solange sie nicht nach unten schauen muss.

"Nützliche Irrtümer", der Blog von Citavi, bietet Nützliches und Unterhaltsames aus der Welt der Wissenschaft und Wissensorganisation.